Nicht Nichts

Da steht die Blume
Im Schein der Lichter
Alt und blass
Geht ihre Zeit dahin

Im Gedanken die Blüten
Blätter den Stiel verholzen sehen
Kann nur geübtes Auge
Und waches Gemüt

Lebendiges erkennen

Glück und Frieden
Trägt den Schein
Schöner Blumen mit

Auch der Alten

Woot

Rollendes Meer
Wogen aufgeschäumt
Gleich dem Herz
Genährt von dumpfem Verstand

Im Kopf das Meer
Die Brust nur Woge
Der Hals krächzt
Wie harte Gischt

Dunkles Dampfgetürm
Donner Gefühl Vernichtung
Atmer Sehnsucht zerrt die Rippen
Kopf sucht Sonnen zwischen Wolkenfetzen

Einer sagt Arbeit, zwei sind froh

In der Tiefe der Brust
Ein Herz sucht
Im geschützten Kopf
Das Hirn martert

Getroffen den Anderen
Die Qual fortgeht
Und im Gleichklang
Schreiten neben voran

Wohl dem Wort
Das zueinander führt
Aus Minuten des Traumes
Wahres geboren

Noch hier nicht hinten

Leb weit
Leb fort
Dein Herz ist angekommen
Wo dein Geist noch sucht.

Ein schöner Ort benetzt die Haut
Hinter deinen Augen
Nur deine Windungen wollen nicht
Was Dein Herz so sehnsuchtsvoll sucht

Leb weg
Leb vorbei
Dein Wesen ist des Weges
Deine Seele keine Welt

Aus den Doraden

Aus den Doraden

Ich war nichts. Und dann verschluckt. Ich bin gestern verschluckt worden. Ich kann gar nicht anders erzählen, als genau so wie es passierte. Ich bin verschluckt worden. Mit einem Mal tat sich ein riesiger Abgrund auf. Er war schwarz und gesäumt mit großen weißen Säbeln. Immer tiefer und weiter zog es mich herab. Die Ränder des Grundes schaben an meiner Haut, so eng ist das Ende. So eng ist das Ende? Kratzig und drückend. Der Atem ging mir aus. Und nun wurde mir schwarz vor den Augen. Nicht dass eine Ohnmacht meinen Geist vernebelte, nein. Es wurde schwarz vor meinen Augen. Ich sah nichts. Ich fühlte nichts und es veränderte sich in allem und in mir. Ich begann zu hocken. Und so hocke ich noch immer. Jetzt, nach welcher Zeit auch immer, hocke ich noch immer hier; zu fühlen nicht in der Lage. Aber ich kann sehen. Ich sehe, was ich mir vor mein Bild im Schädel zaubere. Ich kann es so gut sehen, dass ich es anfassen kann. So gut, dass ich spüre wenn es brennt, wenn es nass ist, wenn des mich umwirft mit seiner Macht. Das Gesehene ist eine Macht, der ich mich nun nicht mehr entziehen kann. Ich will mich umdrehen. Das Gesehene folgt mir. Aber es macht mir keine Angst. Es ist, als wenn es will, dass ich es immer um mich weiß. Es ist, als rede es mit mir. Es flüstert direkt durch mein Auge in meinen Fuß. Ich erkenne das Gesehene. Ich freue mich darüber und so werde ich stark. Ich spüre, dass alles was ich gesehen habe, sich mir öffnet. Ich werde zum Verstehenden. Das Verstehen macht mich stark und glücklich. Ich spüre die Kraft, die das Verstehen mir gibt. Und so passiert es. Ich verwandle mich in einen Düsenjäger und krache in den nächsten Berg, nachdem ich mit meinem Feuerschweif alles Leben verbrannte. Und wie ich in den Berg kam, öffnet sich mir aller Reichtum dieser Welt und der Besitz von Kleinem wird mir fremd. Ich drehe mich um. Ich verstehe, dass alles Leben erloschen ist. Durch mich. Ich spüre die Trauer. Ich möchte allein sein und kann es nicht ertragen. Lass mich allein. Ich will aus dem Abgrund und bin im Berg. Was ist der Berg? Er erdrückt mich. Er zermalmt mich. Ich werde klein. Die Knochen knacken, Gedärme quellen und Blut vermischt sich mit Hirn. Ich werde flach. Wie eine Wasseroberfläche. Ich dehne mich weiter aus.  Ich bin die oberste Schicht der Welt. Ich bin das kleine Stück, bevor die Tiefe der Unschuld beginnt. Auf mir kann man gehen und lachen und sterben. Und es wird groß in meinem Herzen, das flach ist wie das Meer bei Flaute. Ich erkenne es. Es ist das Leben. Ich erkenne das Leben und es bringt mir Freude. Ich sehe entstehen und wenn es streitet, das Leben, dann zerdrücke ich es wie eine Laus. Nur das Gute besteht so fort. Ich kann es erkennen, aus meinem Abgrund heraus, in den ich mit meiner Seele taumelte. Und nun wird es gut sein. Nun werde ich es mir annehmen. Ich werde es pflegen und ich werde lernen, jede Laus zu hören, bevor ich sie zerdrücke. Ich werde sein die Allmacht des Lebens. Nur Nichts werde ich nicht sein können.

H.N. 2011

Le Misanthrop

Ich habe mich entfernt

Von all denen
Mit Melodien
Mit der zeit die sie zerstören.

Ich will sie nicht sehen
Ich kann sie nicht riechen.

Ich sterbe eher als diese Selbstgröße ertragen müssen.

Ich drehe mich weg.

Immer Langatmung
Sich selbst beschmieren
Mit Honig der Welt.
Jedoch die Welt nicht durchdringen.

Und wenn keiner klatscht. Brüllen.
Dass auch ja alle hören den Ton
Den Krach der Kleingeister.

Hannes Norden
2011

Verdammtes Ich

Die Worte die ich spreche, verstehst du nicht.
Das es so ist, verlange ich nicht.
Das dies Gedicht erklärt, vermag es nicht.

Aber lass doch
Aber lass doch
Aber lass doch

Mich für dich

Soviel ich.

Verzeih, ich kann es nicht.
Unendlich ich.
Nie mehr ich.

Aber lass doch
Aber lass doch
Aber lass doch

Endlich mich
für Dich

Die Seiten der Jahreszeiten I

Heftig der Wind um die Wangen streift
Niesel und Wolken die Sonne vertreibt
Berge von Wasser am Kai sich türmen
Alles und Jeder gebeutelt von Novemberstürmen

Doch kann solch Wetter den Tag uns nicht verprellen
Die Freude sind wir
Und Licht ist im Herzen, und Energie
In deinen grauen Zellen

Drum frohlocke zu jeder Jahreszeit
Ob der November nun Stürmt
Oder der Dezember schneit
An jedem Tag steht das Glück bereit

Dass du betrogen wirst
Von deinem Nächsten
Dass du verlacht wirst
vom besten Freund
Dass dein Gemüt ist dunkel
Wie der Himmel

Groß ist die Hoffnung
Auf Leichtes in naher Zeit
Groß dass Vergessen
Über eigene Unzulänglichkeit

Also wartet ruhig auf den Frühling

Panische Langsamkeit

Still der Tag
Im Grau vor sich dämmert
Ein einzelner Schrei
Dann Ruhe

Eis pfeift der Wind
Durch Geäst und um Häuserzeilen
Ein einzelner Schrei
Dann Ruhe

Nebel liegt
Im Licht
Die Sonne geht auf
Ein einzelner Schrei
Dann Ruhe
Es reckt sich
Es streckt sich
Es wacht
Es lebt
Ein einzelner Schrei
Dann Krach

Konkrete Poesie

FLASCHE
FLASCHE
FLASCHE
FLASCHE
FLASCHEFLASCHE
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